Ihr Smartphone bringt bereits einen leistungsfähigen Mail-Client, einen Kalender und ein Adressbuch mit. Alle drei verwenden offene Protokolle: IMAP für E-Mail, CalDAV für Kalender und CardDAV für Kontakte. Jedes dieser Protokolle ist älter als das Smartphone.
Sie brauchen also keine App des Anbieters. Nutzen Sie die integrierten Apps, installieren Sie Webmail auf dem Startbildschirm oder verwenden Sie beides mit demselben Konto.
Hier erfahren Sie, was die Optionen bieten, wo CalDAV und CardDAV direkt funktionieren, wo Hilfe nötig ist und welche eine Lücke Sie vor Zusagen an Kunden kennen sollten.
Drei Protokolle, ein Konto
| Inhalt | Protokoll | Standard |
|---|---|---|
| IMAP und SMTP | Universell, von jeder Mail-App unterstützt | |
| Kalender | CalDAV | RFC 4791 |
| Kontakte | CardDAV | RFC 6352 |
CalDAV und CardDAV sind Erweiterungen von WebDAV, derselben HTTP-Erweiterung, mit der sich Cloud-Speicher als Netzlaufwerk einbinden lässt. Die Grundlage ist gleich, die Inhalte sind verschieden.
Offene Standards statt einer proprietären API bedeuten: Sie sind nicht darauf angewiesen, dass ein Anbieter eine App für Ihre Plattform veröffentlicht. Kann das Smartphone einen Kalenderserver ansprechen, kann es auch diesen verwenden.
Was CalDAV tatsächlich leistet
CalDAV speichert den Kalender auf dem Server und lässt alle Clients dieselbe Fassung lesen und bearbeiten. Ein am Laptop erstellter Termin erscheint kurz darauf auf dem Smartphone. Export, Import und Zweifel an der aktuellen Version entfallen.
Das entspricht dem Verhältnis zwischen IMAP und E-Mail: Der Zustand liegt zentral. Nehmen Sie einen Termin am Smartphone an, wird er überall als angenommen angezeigt.
Zwei Details sind wichtig. CalDAV überträgt Zeitzonen korrekt: Ein in Berlin angelegter Termin erscheint in New York zur richtigen Ortszeit. Voraussetzung ist, dass er mit Zeitzone gespeichert wurde; mehr dazu unter Zeitzonen im Kalender. Ganztägige Termine werden bewusst nicht umgerechnet, damit ein Feiertag westlich gelegenen Nutzern nicht am Vorabend erscheint.
CardDAV übernimmt dieselbe Aufgabe für das Adressbuch: Eine Fassung liegt auf dem Server und alle Geräte lesen und bearbeiten sie. Das ist echte Kontaktsynchronisierung statt wiederholtem Importieren von Kontakten mit auseinanderlaufenden Kopien.
Integrierte Apps einrichten
iPhone und iPad. Mail, Kalender und Kontakte unterstützen die Standards direkt. Fügen Sie zuerst das Mail-Konto und danach CalDAV- und CardDAV-Konten in den Einstellungen hinzu. Apples Umsetzung ist seit Jahren zuverlässig. Anleitung: iPhone und iPad.
macOS. Auch Apple Mail, Kalender und Kontakte funktionieren ohne Zusatzsoftware. Anleitung: Apple Kalender und Kontakte.
Android. E-Mail funktioniert mit jedem IMAP-Client. Kalender und Kontakte benötigen DAVx⁵, eine kostenlose Open-Source-App, die das Konto im Android-Synchronisierungsdienst registriert. Danach verwenden die üblichen Kalender- und Kontakte-Apps es wie ein integriertes Konto. Anleitung: DAVx⁵ unter Android.
Thunderbird. Unterstützt CalDAV und CardDAV direkt. Anleitung: Thunderbird.
Übernehmen Sie die Mailserverdaten aus Einstellungen → Apps & Geräte, statt sie zu erraten. Dort stehen die richtigen Kontowerte erst, wenn Empfang und Versand bereit sind. Auf Apple-Geräten lässt sich zudem ein Konfigurationsprofil erzeugen, das alles gemeinsam installiert. Siehe eine beliebige Mail-App verbinden.
Stattdessen Webmail installieren
Alternativ verzichten Sie auf native Apps und installieren Webmail als Progressive Web App: mit Symbol auf dem Startbildschirm und eigenständigem Fenster ohne Browserleisten.
Sie erhalten die vollständige Webmail-Oberfläche im Smartphone-Layout. Die Seitenleiste klappt ein, beim Öffnen einer Nachricht ersetzt diese die Liste, und Einstellungen erscheinen bildschirmfüllend. Helles und dunkles Design funktionieren. Neue Funktionen stehen sofort bereit und müssen nicht erst einen App-Store durchlaufen.
Wichtig: Die Installation macht daraus keinen Offline-Mailclient. Bei Verbindungsabbruch erscheint eine Offline-Seite, doch das Postfach liegt auf dem Server und benötigt zum Lesen ein Netz. Wer oft offline arbeitet, sollte einen nativen IMAP-Client mit lokalem Cache verwenden.
Details unter Webmail mobil und als PWA.
Beides parallel verwenden
Die Möglichkeiten schließen einander nicht aus. Die meisten Nutzer kombinieren sie.
Native Apps sind bei der Systemintegration stärker: Benachrichtigungen verhalten sich wie vorgesehen, Kalender erscheinen in Widgets und auf dem Sperrbildschirm, Kontakte im Telefonwähler. Nur so wird bei einem Anruf der Name zuverlässig angezeigt.
Webmail bietet mehr Funktionen: zentraler Posteingang, kontenübergreifende Suche, zeitversetzter Versand und verbundene Konten. Native Clients sehen jeweils ein Postfach und kennen keine serverseitig verbundenen Konten.
Eine verbreitete Lösung nutzt Kalender und Kontakte nativ über CalDAV und CardDAV sowie Webmail für E-Mail. Beide greifen auf denselben Server zu; ein Abgleich zwischen getrennten Datenbeständen ist unnötig.
Die Outlook-Lücke
Outlook ist die einzige bedeutende Lücke, die offen benannt werden sollte.
IMAP-Mail verarbeitet Outlook problemlos, CalDAV und CardDAV unterstützt es jedoch nicht direkt. Microsoft hat Outlook um Exchange aufgebaut. Ein Plug-in eines Drittanbieters kann die Verbindung herstellen, muss aber auf jedem Rechner installiert und gepflegt werden.
Teams, die Kalender zwingend in Outlook führen, sollten das einplanen. Möglich sind das Plug-in, Webmail für Kalender und Kontakte bei Outlook für E-Mail oder ein separater Kalenderdienst. Hinweise unter Outlook über CalDAV verbinden.
Wenn die Synchronisierung stoppt
Nach der Einrichtung erscheint nichts. Meist ist die URL falsch. CalDAV-Clients erkennen unterschiedlich viel vom Pfad selbst. Kopieren Sie den Wert einschließlich abschließendem Schrägstrich exakt aus der Anleitung.
E-Mail funktioniert, der Kalender nicht. Auf dem Gerät sind es getrennte Konten, auch wenn die Zugangsdaten gleich sind. Das Mail-Konto fügt den Kalender nicht automatisch hinzu.
Android zeigt nach der Installation von DAVx⁵ nichts an. Prüfen Sie in Android, ob die Kontosynchronisierung aktiv ist und die Akkuoptimierung die App nicht anhält. Aggressives Energiesparen ist eine häufige Ursache für unbemerkt gestoppte Hintergrundsynchronisierung.
Termine erscheinen zur falschen Zeit. Häufig wurde der Termin ohne Zeitzone gespeichert. Öffnen und speichern Sie ihn in Webmail erneut.
Änderungen erreichen ein anderes Gerät nicht. Prüfen Sie das Synchronisierungsintervall. Viele Clients fragen regelmäßig ab, statt Änderungen sofort zu übertragen. Ein Intervall von fünfzehn Minuten kann daher bis zu fünfzehn Minuten Verzögerung bedeuten.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich eine App installieren?
Auf iPhone, iPad und macOS nicht: E-Mail, Kalender und Kontakte funktionieren nativ. Unter Android brauchen CalDAV und CardDAV DAVx⁵; danach arbeiten die integrierten Apps normal. Für E-Mail ist keine Zusatz-App nötig.
Sind CalDAV und CardDAV dasselbe?
Sie sind verwandt. CalDAV synchronisiert Kalender, CardDAV Kontakte; beide basieren auf WebDAV. Die meisten Clients behandeln sie trotz gleicher Zugangsdaten als getrennte Konten.
Kann ich nach der Installation von Webmail E-Mails offline lesen?
Nein. Die Installation liefert ein Startbildschirmsymbol und ein eigenes Fenster, das Postfach bleibt jedoch auf dem Server. Für echten Offline-Zugriff benötigen Sie einen nativen IMAP-Client mit lokalem Cache.
Kann ich Webmail und eine native App zusammen verwenden?
Ja, das ist eine sinnvolle Kombination. Beide lesen denselben Server, daher gibt es keinen fehleranfälligen Abgleich zwischen ihnen.
Warum unterstützt Outlook CalDAV nicht?
Microsoft entwickelte Outlook rund um Exchange und ergänzte keine native Unterstützung. Ein Drittanbieter-Plug-in schließt die Lücke; alternativ übernimmt Webmail Kalender und Kontakte, während Outlook E-Mail verarbeitet.
Zeigt mein Smartphone einen im Ausland erstellten Termin zur richtigen Zeit?
Ja, sofern der Termin mit Zeitzone gespeichert wurde. CalDAV überträgt exakte Zeitpunkte, die jeder Client in der Ortszeit darstellt.
Zeigt ein nativer Client meine verbundenen Konten?
Nein. Verbundene Konten sind eine serverseitige Webmail-Funktion. Ein nativer Client sieht nur das konfigurierte Postfach.
Wo finde ich die Servereinstellungen?
In Webmail unter Einstellungen → Apps & Geräte. Dort stehen die richtigen Kontowerte; für Apple-Geräte kann außerdem ein Konfigurationsprofil erstellt werden.